Professionelle Wertearbeit

Enzyklopädie

Einige heutige Berufsgruppen beschäftigen sich temporär oder gänzlich mit Werten. Viele machen dies aus beruflichen Gründen, da es entweder zu ihrem Fachgebiet zählt, z. B. Philosophen, Therapeuten, Coaches, Theologen oder mit zeitlich bzw. themenspezifisch befristeten Intentionen wie z. B. Politiker, Personalentwickler, Unternehmer, Manager oder auch Marketingexperten.
Nachstehend haben wir einige Fachgebiete aufgeführt und deren Bezug zu Werten beschrieben.


Anthropologie

Die Anthropologie ist die wissenschaftliche Lehre vom Menschen – aus altgriechisch „ánthrōpos“ = „Mensch“. Sie ist in viele Einzeldisziplinen untergliedert. Insbesondere die „philosophische Anthropologie“ beschäftigt sich mit Werten, da sie den Menschen nicht nur als biologisches Wesen betrachtet, sondern ihn als „selbstbestimmte“ Persönlichkeit mit individuellen Merkmalen definiert.

Die „Sozialanthropologie“ untersucht die kulturelle und soziale Vielfalt und beschäftigt sich mit der Rolle des Menschen in der Gesellschaft.

Letzte Bearbeitung am 07.09.2018


Anthroposophie

Der Begriff Anthroposophie ist aus den altgriechischen Wörtern „ánthrōpos“ = „Mensch“ und „sophίa“ = „Weisheit“ zusammengesetzt. Die Anthroposophie wurde von Rudolf Steiner (1861–1925) begründet und ist heute eine weltweit vertretene spirituelle bzw. esoterische Weltanschauung. Diese folgt einem von Steiner definierten Ausbildungs- und Erkenntnisweg, die überlieferten Elemente des deutschen Idealismus, der Weltanschauung Goethes, der Gnosis[1], fernöstlicher Lehren sowie der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu Steiners Zeit miteinander zu verbinden. Steiner schreibt 1894:

„Alle Wissenschaft wäre nur Befriedigung müßiger Neugierde, wenn sie nicht auf die Erhöhung des Daseinswertes der menschlichen Persönlichkeit hinstrebte. Den wahren Wert erhalten die Wissenschaften erst durch eine Darstellung der menschlichen Bedeutung ihrer Resultate. Nicht die Veredlung eines einzelnen Seelenvermögens kann Endzweck des Individuums sein, sondern die Entwicklung aller in uns schlummernden Fähigkeiten. Das Wissen hat nur dadurch Wert, daß es einen Beitrag liefert zur allseitigen Entfaltung der ganzen Menschennatur. Diese Schrift faßt deshalb die Beziehung zwischen Wissenschaft und Leben nicht so auf, daß der Mensch sich der Idee zu beugen hat und seine Kräfte ihrem Dienst weihen soll, sondern in dem Sinne, daß er sich der Ideenwelt bemächtigt, um sie zu seinen menschlichen Zielen, die über die bloß wissenschaftlichen hinausgehen, zu gebrauchen. Man muß sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[2]

Letzte Bearbeitung am 07.09.2018


Coaching

In fast jedem Coaching geht es direkt oder indirekt sowie bewusst oder unbewusst auch um Werte. Da Coaching immer zum Ziel hat, das Bewusstsein für bestimmte Aspekte, Situationen und/oder Zustände zu erzeugen oder zu steigern, ist das Thematisieren der individuellen beziehungsweise persönlichen Werte eine unterstützende Option. Die meisten Coaches verwenden deswegen Methoden zur Ermittlung (Entdeckung) dieser Werte.

Aus vielen Zuschriften haben wir erfahren, dass sehr Coaches, Berater und Trainer für Change-Management unser Wörterbuch der Werte nutzen, um bei der richtigen Definition der Werte-Begriffe Orientierung zu erhalten und zu geben. Demnach sind Werte ein wichtige Bestandteil im Coaching.

Meist werden 3–7 (selten mehr) der wichtigsten Werte einer Einzelperson oder einer Gruppe (z. B. innerhalb von Organisationen) ermittelt, welche dann in Form eines Leitbildes (Wertegerüst, Grundwerte, Leitwerte) eine wichtige Orientierung für die Erarbeitung von Zielen und Visionen ermöglicht.

Siehe hierzu auch das Schaubild „Vom Motiv über Werte zur Lebensaufgabe“ im Artikel „Was sind Werte?“ im Abschnitt „Werte als Baustein für Kulturen“ (S. 37 im DgBdW 2019).

Wertearbeit ist also für die meisten guten Coaches einer der zielführenden Werkzeuge, um gemeinsam mit dem Coachee dessen intrinsische Motiv-Struktur zu ergründen und daraus die Optionen für konkrete persönliche Ziele abzuleiten.

Letzte Bearbeitung am 19.02.2019


Logotherapie und Existenzanalyse

Der Begriff Logotherapie ist zusammengesetzt aus griechisch „lógos“ = „Wort, Rede“, insbesondere dessen „Sinn und Gehalt“ und „therapeúein“ = „pflegen, sorgen“); der Begriff Existenzanalyse kann als „Seins-Entdeckung“ übersetzt bzw. interpretiert werden. Beide Begriffe stehen in Kombination für eine anthropologische Theorie und psychologische Behandlungsform, die der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl (1905–1997) begründete. Er stützte seine Theorie auf die drei Seinsaspekte, nach denen der Mensch

  • physisch (leiblich),
  • psychisch (seelisch) und
  • geistig (noetisch)

zugleich existiere.

Die existenzanalytische Anthropologie betrachtet den Menschen somit als grundsätzlich entscheidungs- und willensfreies Wesen, das befähigt ist, sich gegenüber seinen inneren und äußeren Bedingtheiten zu verhalten und über sich selbst hinaus auf Sinn und „Werte“ auszurichten. Durch diese potenzielle Willensfreiheit und Eigenverantwortlichkeit ist der Mensch aufgefordert, über sich selbst und seine eigene Begrenztheit hinauszugelangen: Zwar ist der Mensch nie frei von Bedingtheiten und Prägungen persönlicher, typologischer, biologischer, sozialer und kultureller Art, doch innerhalb dieser Gegebenheiten trifft er täglich auf unzählige Situationen, die ihn herausfordern, mit ihnen in für ihn bestmöglicher Weise gestaltend umzugehen.[3]

Letzte Bearbeitung am 13.11.2018


Logosynthese

Logosynthese ist eine Methode zur Unterstützung der persönlichen Entwicklung, die im Rahmen von Coaching, Beratung oder Psychotherapie eingesetzt werden kann. Die Methode wurde 2005 von Willem Lammers entwickelt. Er beschreibt sie als „Integration der Wirksamkeitsprinzipien einer Vielzahl psychologischer, psychotherapeutischer, energetischer und spiritueller Modelle und Methoden“.

Im Vordergrund der Methode steht das Erkennen und Auflösen (unbewusster) negativer oder blockierender Emotionen und Glaubenssätze (Introjekte, abgespaltene Teile – siehe unten), durch Worte oder Sätze. Lammers beruft sich auf „altes Heilwissen“ und „spirituelle Traditionen“. Das von ihm verwendete Modell nach Ali Hameed Almaas unterscheidet drei Ebenen:

  • Körper − Biologie
  • Ich − Psychologie
  • Selbst − Essenz

Nach Lammers Theorie leiden Menschen darunter, dass ihr Bewusstsein, ihre Werte und ihr Verhalten nicht im Einklang mit ihrer „Essenz“ stehen, sondern eher von außen bestimmt sind (Abspaltung bzw. Dissoziation und Verinnerlichung bzw. Introjektion). Im Gegensatz zu anderen Methoden arbeitet Logosynthese nicht ausschließlich auf der kognitiven Ebene, sondern versucht, mit Hilfe der Sprache auf die Ebene des „Selbst“ vorzudringen. Klienten nehmen abgespaltene Teile und „Introjekte“ als „Energie im Raum“ wahr. Dabei hat die Sprache nicht nur eine beschreibende Funktion, sondern soll auch direkt heilend wirken.

Lammers fasst seine Theorie in folgenden Thesen zusammen:

  • Das wahre Wesen leidet nicht: Unser wahres Wesen leidet nicht – Leiden entsteht aus Mangel an Bewusstsein der Essenz und unserer Aufgabe in dieser Welt
  • Abspaltung und Verinnerlichung: Das Bewusstsein unseres wahren Wesens wird reduziert oder verhindert durch Abspaltung und Verinnerlichung.
  • Die Energie im Raum: Abgespaltene Teile und Introjekte sind starre Energiestrukturen in einem mehrdimensionalen Raum, nicht nur abstrakte Konzepte.
  • Worte wirken: Die Macht des Wortes ermöglicht die Auflösung dieser erstarrten Strukturen und befreit unsere Lebensenergie für unsere wirkliche Aufgabe in Raum und Zeit.[4]

Mehr Infos unter: www.logosynthesis.net/

Letzte Bearbeitung am 13.11.2018


Marketing

Im Marketing spielen Werte eine immer größere Rolle. So ist in Kreisen von echten Marketing-Experten schon sehr lange bekannt, dass

  • die meisten Handlungen (bewusst und/oder unbewusst) aus bestimmten Wertvorstellungen resultieren,
  • Wertesysteme, die sogenannte Trigger (Motiv-Knöpfe) für Kaufentscheidungen enthalten und
  • dementsprechend angepasste Unternehmenswerte (Philosophien, Unternehmenskultur) Kunden an eine Firma oder Marke kurz- oder auch langfristig binden können (Produkt-Treue).

In Fachkreisen spricht man davon, dass Produkte „emotional aufgeladen“ sein müssen und somit zur Marke werden. Dies wird über tatsächliche Wertvorstellungen oder suggerierte Werte vermittelt, die mittels sogenannter Schlüsselreize bestimmte Emotionen auslösen. In der Psychologie und insbesondere im Coaching nennt man dies auch „triggern“[5].

Meister im werteorientierten Marketing sind beispielsweise die Unternehmen Apple, IKEA, Ferrero, Danone und Procter & Gamble sowie viele Finanz- und Versicherungsunternehmen.

Literatur

Werte-Index 2018

Taschenbuch – 21. November 2017 von Peter Wippermann (Herausgeber, Autor), Jens Krüger (Herausgeber, Autor)

An dieser Stelle verweisen wir auf den „Werte-Index 2018“, den es seit 2009 gibt und der sich mittlerweile etabliert hat. Ein Buch, das als Kompass für Bedeutung und Relevanz von Werten der deutschen Web-User dient. Er zeigt relevante Entwicklungen und Trends auf. Neben Texten werden auch Bilder aus sozialen Medien als Indikator verwendet. Unternehmen erhalten Inspirationen und konkrete Handlungsempfehlungen, wie sie auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren können. Link: amzn.to/2nIbaLN

Letzte Bearbeitung am 09.11.2018


Philosophie

Fast alle Philosophen beschäftigen sich mit Werten. Neben der Theologie wurde hier wohl am meisten über Wertvorstellungen diskutiert und Thesen sowie Modelle aufgestellt. Schon die Philosophen der Antike (z. B. Konfuzius und Platon) hinterließen uns Ansätze für spätere Wertemodelle, die sich im Laufe der Zeit in der Gesellschaft verfestigten.

So entstanden auch die Grundlagen für das Denken im demokratischen Selbstverständnis und in Folge die sogenannte „Zeit der Aufklärung[6]“, was – nach zahlreichen, teils brutalen Auseinandersetzungen – zur heute recht weit verbreiteten politisch ambitionierten Demokratie geführt hat. In sogenannten Verfassungen bzw. Grundgesetzen wurden bestimmte Grundwerte fest verankert wie Würde, Freiheit, (soziale) Gerechtigkeit etc.

Siehe hierzu im KapitelKontextuelle Begriffe“ den Artikel „Tugend“, S. 165 DgBdW 2019 (insbesondere dort den Abschnitt „Kardinaltugenden“) sowie den Artikel „Wertegemeinschaft“, S. 187 im DgBdW 2019.

Letzte Bearbeitung am 11.10.2018


Politik

In fast jedem politischen Kontext wird von Werten gesprochen. Oft indirekt und unbewusst, aber besonders in Zeiten von Wahlkämpfen auch bewusst und gezielt. Einige Begriffe nebst deren Synonyme werden wie ein Mantra ständig wiederholt.

Die mit Werten aufgeladenen Gedanken aus dem Zeitalter der Aufklärung (1650–1800) – insbesondere des gern zitierten Philosophen Immanuel Kant – wurden in der Französischen Revolution zu einer politischen Bewegung umformuliert, welche in Folge überall in Europa[7] zu spüren war. Auch heute noch haben sie große Bedeutung und werden regelmäßig rezitiert: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.

Politische Parteien arbeiten und argumentieren auf den ihnen wichtigen Grundwerten, welche die politische Gesinnung fundamentieren. So sind diese Grundwerte auch als Leitwerte zu verstehen, welche auf Leitmotive (Beweggründe) basieren.

Die Werte der wichtigsten Parteien in Deutschland

SPD

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) nennt ihre Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.“

Auszug aus deren Internetseite (März 2019):

„Als erste Partei in Deutschland hat die SPD ein Programm zur aktiven, politischen Gestaltung der Globalisierung entwickelt. Der Ansatz ist, auf internationaler Ebene den Vorrang der Demokratie vor den Interessen der Wirtschaft durchzusetzen. Eine wichtige Antwort auf die Globalisierung ist dabei die Stärkung Europas. Mit ihrem Selbstverständnis als Friedenskraft streitet die SPD auch für eine gerechte Weltordnung. Gleichrangig bleiben die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Klar ist, dass es darauf ankommt, diese Werte nicht nur zu postulieren, sondern zu verwirklichen. Dies unter den Bedingungen dieser Zeit zu verwirklichen heißt, das Primat der Politik und das Prinzip der Nachhaltigkeit durchzusetzen.“

CDU

Die CDU (Christlich Demokratische Union) schreibt auf ihrer Webseite (2017):

„Grundlage unserer Politik ist das christliche Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott. Unsere Grundwerte Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit sind daraus abgeleitet. Die CDU ist für jeden offen, der die Würde und Freiheit aller Menschen und die daraus abgeleiteten Grundüberzeugungen unserer Politik bejaht.“

Die Grünen

Die Partei der Grünen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) schreiben in ihrem Grundsatzprogramm (2002):

„Unsere Grundposition heißt: Wir verbinden Ökologie, Selbstbestimmung, erweiterte Gerechtigkeit und lebendige Demokratie. Mit gleicher Intensität treten wir ein für Gewaltfreiheit und Menschenrechte. In ihrer Wechselbeziehung öffnen diese Grundsätze den Horizont bündnisgrüner Visionen. Wir laden alle zur Mitarbeit ein, die sich diesen Zielen verpflichtet fühlen. Wir wollen die Ideen, die Kritik und den Protest von Bürgerinnen und Bürgern aufnehmen, sie zu Aktivität ermutigen und ganzheitliche Konzepte entwickeln.“

FDP

Im Grundsatzprogramm der FDP (Freie Demokratische Partei) bezeichnet man sich als „die Partei der Freiheit und der Selbstbestimmung“.

Ferner steht in deren Leitbild: „Mehr Chancen durch Freiheit, was in drei Bereiche: Offenheit für Fortschritt, Liebe zur Freiheitund „Faire Spielregeln“ aufgegliedert ist.

AFD

Im Grundsatzprogramm vom 27.06.2016 der AfD (Alternative für Deutschland) finden wir unter der Überschrift DEMOKRATIE UND GRUNDWERTE (Kapitel 1) keine klar präferierten Werte-Begriffe. Dort werden eher Begriffe für negative Werte (wie Zerstörung, verantwortungslos, Protest) verwendet und damit die etablierten Parteien ausführlich diffamiert. Später im Text bezeichnet man sich als „Partei des gesunden Menschenverstandes“.

In der Präambel des Grundsatzprogramms finden wir immerhin Folgendes:

„Als freie Bürger treten wir ein für direkte Demokratie, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft, Subsidiarität, Föderalismus, Familie und die gelebte Tradition der deutschen Kultur. Denn Demokratie und Freiheit stehen auf dem Fundament gemeinsamer kultureller Werte und historischer Erinnerungen.“

Fazit im Kontext von Wertvorstellungen

Alle hier genannten Parteien haben insbesondere den Wert Freiheit als wesentliche Gemeinsamkeit. Darüber hinaus werden besonders in verbalen Auseinandersetzungen die Begriffe Gerechtigkeit, Solidarität und Fortschritt (gemeint ist hier wohl eher der konstruktivere Begriff „Innovation“) verwendet.

Während alle Parteien in ihren Programmen den Begriff „Bürger“ verwenden, nutzt die AFD darüber hinaus auch oft den Begriff „Volk“. Im sprachwissenschaftlichen Sinne ist der Begriff Volk veraltet, da er ethnische Komponenten (Ethnie) aufweist und deswegen emotional aufgeladen ist. Etymologisch stammt er aus dem urgermanischen „fulka“ (8. Jh.), was „die Kriegsschar“ bedeutete.

Der Begriff Bürger stammt aus dem althochdeutschen „burga“ ab, was Schutz bedeutet (daher auch der Begriff „Burg“). Aus griechisch „polites“ = „Bürger“ („der zur Teilhabe am Richten und an der Herrschaft berechtigte“) wurde der Begriff „politiká“ = „Politik“ (alles, was den Bürger und die Stadt bzw. den Staat betrifft).

Siehe hierzu auch im KapitelKontextuelle Begriffe“ die Begriffe „Wertegemeinschaft“, und „Leitkultur“.

Quellenhinweise: Die Entnahmen aus den Grundsatzprogrammen der Parteien CDU, DIE GRÜNEN, FDP und AFD erfolgten im November 2017 und der Partei. Entnahmen für die SPD erfolgte im März 2019.

Letzte Bearbeitung am 07.05.2019.


Psychotherapie

In der Psychotherapie kann das Beschäftigen mit den persönlichen Wertvorstellungen unterstützend sinnvoll sein, sofern der Patient über ausreichende Fähigkeiten zur Selbstreflexion verfügt.

Persönliche Wertvorstellungen prägen den Charakter einer Person und die Art des wertenden Denkens; insbesondere steuern sie maßgeblich die Handlungsorientierungen. Deshalb ist es für den Erfolg einer Therapie sinnvoll, mit dem Patienten über Werte zu sprechen und hierfür ein Bewusstsein zu schaffen, das in Folge eine werteorientierte Selbstreflexion auslöst.

Letzte Bearbeitung am 09.11.2018


Theologie

Die Theologie – aus griechisch „theología“, zusammengesetzt aus „theós“ = „Gott“ und „lógos“ = „Wort, Rede, Lehre“ – beschäftigt sich mit der „Lehre von Gott“ und dabei mit spezifischen religiösen Glaubensmodellen und den hierzu existierenden Belegen und Dokumenten; zunächst mythologisch und später auch metaphysisch.

Platon stellte die kritische „Frage nach der Wahrheit als dem Einen, Guten und Unveränderlichen“; Aristoteles postulierte: „Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen.“ In Folge entstand u. a. die Ontologie (Lehre des Seins). Aus diesen Betrachtungen und deren Resultate lassen sich Wertemodelle ableiten, wenn man Erkenntnisse kollektiver Beziehungsmuster, die Motivstruktur einzelner Menschen und die Grundbedürfnisse einer Gemeinschaft von Suchenden und Glaubenden studiert. So sind – durch den Anstoß von Religionen und maßgeblicher Mitwirkung von mehr oder weniger religiösen Philosophen – die sogenannten Kardinaltugenden und Gebote entstanden, welche aus heutiger Sicht klare Wertvorstellungen hervorgebracht haben, die vielen Menschen Orientierung im Leben geben.

Siehe auch im KapitelKontextuelle Begriffe“ den Begriff „Tugend“, insbesondere den Abschnitt „Kardinaltugenden“ und dort den Punkt „Die Bibel“.

Letzte Bearbeitung am 11.10.2018


Unternehmensentwicklung

In der Personalpsychologie und insbesondere beim Erstellen eines „Firmenleitbildes“ wird heute kräftig mit Werten hantiert. Insbesondere im sogenannten wertebasierten „Change-Management“ ist das Ermitteln, Aufstellen und Propagieren von Werten notwendig. Meist werden die ermittelten Basis- oder „Leitwerte“ in einem Leitbild veröffentlicht.

Change-Management

Tatsächlich ist die DisziplinWerteorientiertes Change-Management“ noch recht jung, denn ursprünglich ging es beim Change-Management fast ausschließlich um zwangsweise Veränderungen wie Fusionen, Innovation und Marktdurchdringung, was insbesondere bei den schon lange etablierten Unternehmensberatungen immer noch der Fall ist.

Die meisten Beratungsunternehmen für Change-Management haben wenig Erfahrung im Umgang mit Werten, und so kommt es immer wieder vor, dass ein Leitbild abgeschieden von der realen Arbeitswelt und in den „oberen Etagen“ (dem sogenannten „Elfenbeinturm“) erstellt wird, was fatale Folgen (demotivierende Aspekte für Mitarbeiter) haben kann.
Diese Folgen sind nur schwer umkehrbar, und es bedarf hierfür eines deutlich sichtbaren Sinneswandels in der obersten Führungsetage.

Hinweis: Unterstützung für die Erstellung eines Unternehmensleitbildes finden Sie im Kapitel „Die Erstellung eines Leitbildes“ oder in neuester Fassung im Internet: goo.gl/kaSCJ2

Letzte Bearbeitung am 03.01.2019


Fußnoten

[1] Gnosis: (von altgriechisch „gnō̂sis“ =  „Erkenntnis“, „wichtiges Wissen“; oder auch „Gnostizismus“, aus griechisch „gnōstikismós“); ein theologischer Begriff, der unterschiedliche abweichende bzw. aufgeklärte religiöse Lehren ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus, bezeichnet; die sog. „Gnostiker“ kann man heute auch als „gläubige Nonkonformisten“ oder „gebildete Freigeister“ bezeichnen.

[2] Quelle: „Die Philosophie der Freiheit – Grundzüge einer modernen Weltanschauung“; ISBN: 978-3-7274-6271-9, Rudolf Steiner Verlag, Taschenbuch, 10. Auflage 2011

[3] Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Logotherapie_und_Existenzanalyse; 23. August 2017

[4] Quelle: http://de.pluspedia.org/wiki/Logosynthese; Juli 2017

[5] Trigger: (englisch für „Auslöser“ oder ursprünglich: „Abzug einer Handfeuerwaffe)“; ein sogenannter psychologischer Schlüsselreiz, der eine mehr oder weniger gewünschte Wirkung erzeugt

[6] Siehe hierzu das Kapitel Freigeist („Freigeistigkeit und Werte“)

[7] Siehe auch „Werte Europas“


Letzte Änderung dieser Seite am 7. Oktober 2021

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