Wie kann uns Zuhören helfen?

Literatur Personen

Transkription eines Videos von Simon Sinek (The Art of Listening). Übersetzt von Dieter Rudolf Franz.

Unterschiedliche Perspektiven einbeziehen

Zuhören ist nicht nur der Akt des Hörens von gesprochenen Worten. Es ist die Kunst, die Bedeutung hinter diesen Worten zu verstehen.

Wenn Menschen sagen: „Du hörst mir nicht zu“ und wir plappern als Reaktion einfach die Worte nach, die sie zuvor gesagt haben: Glückwunsch! Deine Ohren funktionieren. Das ist der Akt des Zuhörens.

Die Kunst des Zuhörens aber besteht darin, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die andere Person gehört fühlt.

Sie haben bemerkt, was ich da gesagt habe? Die andere Person und ich. Und ich habe ein emotionales Wort benutzt: fühlt.

Ich will nicht wissen, dass sie die Worte gehört haben.
Ich möchte fühlen.
Ich möchte mich gehört fühlen.
Ich will mich gesehen fühlen.
Ich will mich verstanden fühlen – und das ist eine erlernbare und einsetzbare Fähigkeit.

Dazu gehören viele Teilbereiche:

Zum Beispiel das Ersetzen von Urteil oder Beurteilung durch Neugierde.
Das fällt uns schwer, denn wir sind eine ziemlich voreingenommene Gesellschaft.

Es geht um die Neugier darauf, warum jemand einen bestimmten Standpunkt vertritt.
Es geht darum, einen sicheren Raum für jemanden zu schaffen, um, wie meine Freundin Deeyah Khan es nennt, „den Eimer zu leeren“.

Selbst wenn wir das, was unser Gegenüber sagt, verwerflich finden: wir werden nie in der Lage sein, einen wirklichen Dialog zu führen, solange nicht zumindest eine der Parteien die Möglichkeit hat, alles ohne Verurteilung sagen zu können. Oder wie sie es nennt: den Eimer zu leeren. Erst wenn jemand das Gefühl hat, alles gesagt zu haben, dann gibt es auch die Möglichkeit, dass sie zuhören.

Aber normalerweise verteidigen wir uns oder streiten oder unterbrechen und weisen auf Logikfehler hin – was einfach frustrierend ist! Wir alle machen ab und an Fehler in der Logik, weil wir alle unvollkommen sind, wenn wir sprechen. Und wenn wir sprechen wählen wir alle manchmal falsche Worte.

„Das ist nicht das, was ich meinte! Du weißt, was ich meinte, was ich dir damit sagen wollte!“ – „Nun, wenn du weißt, was du gemeint hast, warum sagst du nicht auch das, was du gemeint hast?“

Du siehst, wie sich das entwickelt.
Dabei gibt es einfache Wege, um zu verstehen, was der andere meint. Dinge wie:

  • „Mach weiter.“
  • „Erzähl mir mehr.“
  • „Was noch?“

Und sie reden weiter und man selbst wird still. Sie spüren den Raum.

  • „Erzähl mir mehr.“

Weitermachen. Und irgendwann ist alles raus. Und dann gibt es einen sicheren Raum für dich, um zu antworten oder dich auf konstruktive Weise auszudrücken.

Wichtig ist: wir lehren nicht zuzuhören. Zuhören ist der Weg, um Vertrauen zu jemandem aufzubauen. Wenn du jemandem das Gefühl gibst, dass er gehört wird, wird er dir vertrauen.

Das ist der Weg, um eine gemeinsame Basis in der Opposition zu finden. In einfachen Fällen wie im Geschäftsleben, aber auch in komplizierteren Fällen in der nationalen Politik oder in der Weltpolitik oder im Krieg.

William Uri, der das Buch „Getting to Yes“ geschrieben hat, spricht über den gleichen Sachverhalt. Er sagt, wir haben Talkshows, aber wir haben keine Hörsendungen.

Er sagt, wir haben Friedensgespräche, aber was wir wirklich brauchen für Frieden ist richtiges Zuhören – und das sagt er, der bei Friedensverhandlungen auf höchster Ebene mit am Tisch saß.

Er berichtet, dass die Leute bei solchen Gesprächen auftauchen und direkt anfangen zu fordern. So beginnen die Verhandlungen. Niemand fängt an mit: „Sagt mir, warum ihr hierhergekommen seid“.

Es gibt einen großartigen Dokumentarfilm, den ich empfehle, um das zu verstehen. Er heißt „White right: meeting the enemy“ von Deeyah Khan (https://youtu.be/8fO7mMR-ND8).

Kurz gesagt ist Deeyah eine muslimische Frau, die in Großbritannien lebt und von weißen Rassisten so stark getrollt wurde, dass die Polizei eingeschaltet werden musste, weil ihr Leben in Gefahr war. Sie sagten ihr, sie solle sich von offenen Fenstern fernhalten. So schlimm war es. Als Reaktion darauf ist Deeyah in die Vereinigten Staaten gezogen und hat sich mit den weißen Rassisten getroffen. Und sie hat zu diesen Treffen ihre Kamera mitgebracht.  

Es ist alles in ihrem Dokumentarfilm zu sehen. Im Grunde hat sie ihnen einen sicheren Raum gegeben um sich gehört zu fühlen. Das hört sich jetzt verrückt an. Warum sollte sie ihnen einen sicheren Raum geben, um sich gehört zu fühlen? Sie sollten ihr einen sicheren Raum geben!

Sie lässt sie ihren Eimer ausleeren, wie sie es nennt, und dann beginnt die Konversation. Und weil sie sich gehört fühlen, fangen sie an, ihr zu vertrauen. Und wenn ich anfange, ihr zu vertrauen, wird sie zu einer Freundin. Und dann entsteht dieses Paradoxon, dass ich diese Frau hassen soll, aber ich vertraue ihr und betrachte sie als Freundin. Und was man in der Dokumentation sieht, ist, dass einer nach dem anderen dieser weißen Rassisten aus der Bewegung ausscheidet, weil sich ihre Überzeugungen nicht mehr mit der Realität in Einklang bringen lassen.

Und wenn das in diesem extremen Umfeld passieren kann, dann kann es überall passieren! Alles, was wir brauchen, um politische Gräben zu überwinden oder Meinungsverschiedenheiten bei der Arbeit und dergleichen, ist, dass eine der Parteien lernen muss zuzuhören. Es müssen nicht einmal beide Parteien diese Fähigkeit erlernen! Das ist das Erstaunliche!

Es ist eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten, die jeder erlernen kann: die Kraft – die Kunst – des Zuhörens.



Englische Original-Transkription

How does listening help usEmbrace different perspectives

So listening is not the act of hearing the words spoken. It is the art of understanding the meaning behind those words and when people say: “you’re not listening to me” and we simply parrot back the words they said: congratulations your ears work – that is the act of listening but the art of listening is creating an environment in which the other person feels heard.

You notice what i said there: the other person and i used an emotional word: feels
i don’t want to know that you heard the words
i want to feel
i want to feel heard
i feel seen
i want to feel understood

And that is a learnable practical learnable practicable skill there are many parts of it.
It’s things like replacing judgment with curiosity.

That’s a hard thing to do. We’re a pretty judgy group to be curious why someone has that point of view it’s creating a safe space for someone to as my friend dia khan calls it “empty the bucket“ so even if we find what they’re saying just reprehensible you’re never going to be able to actually have dialogue until at least one of the parties gets the opportunity to say everything without judgment and as she calls it emptying the bucket and once somebody feels like they’ve completely said everything then they’re more apt to listen to you.

But usually what we do is we defend or we litigate or we interrupt we point out flaws in logic which is just frustrating and when you point out some flaws in somebody’s logic because we’re all imperfect when we speak and we all choose the wrong words at various times.

That’s not what i meant you know what i meant is what we have to say well what if you know what you meant why don’t you say what you meant?

You can see how this spirals.

But it’s things like when somebody says something you know and there’s really easy ways to do it things like:

  • go on
  • tell me more
  • what else

And they keep talking and you go quiet they feel the space.

  • tell me more
  • go on

And eventually it’s all out and then there’s a safe space for you to respond or to express yourself in a constructive way. But that’s correct: we do not teach listening and listening is the way to build trust with someoneyou know you make someone feel heard – they’ll trust you it is the way to find common ground in opposition in simple cases in business but in more complicated cases in national politics or in global politics or in war.

Bill yuri william yuri who wrote getting to yes he talks about the same thing he goes we have talk shows but we don’t have listen shows he says we have peace talks but what we really need is peace listens you know and and he who’s been at the table of the highest levels of peace negotiations.

He said people show up and start demanding what they want and that’s how the negotiations begin nobody starts by saying so tell me why you came here there’s a great documentary that i recommend to learn this it’s called white right meeting the enemy by dia khan in a nutshell dia is a muslim woman living in the uk who was trolled by white supremacists to the point where the police got involved because her life was at risk they told her stay away from open windows that’s how bad it got the way dia responded was by moving to the united states and going to meet the white supremacists and she brought her cameras i mean you can see it all happen in this documentary and basically she gave them a safe space to feel heard now that sounds mad like why should she give them a safe space to feel her they should give her a safe space yeah fine good you know like it’s never going to happen dear sits down with these white supremacists and she gives them a safe space to feel heard it’s extreme listening  and i say it’s extreme because i mean they hate her you know they don’t just disagree with her they want her off the planet and she lets them empty their bucket as she calls it and then conversation begins and because they feel heard they start to trust her and as i start to trust her she becomes a friend and then what it creates this paradox where i’m supposed to hate this woman but i trust her and consider a friend and what you see is one by one these white supremacists these die-hard white supremacists start dropping out of the movement because they can no longer reconcile their beliefs with reality and if it can happen in this extreme environment then it can happen anywhere and um all that is required for us to cross political divides or you know disagreements at work and things like that is one of the parties has to learn how to listen it doesn’t even require both parties to learn the skill that’s the amazing thing and uh it is it is one of the most remarkable skills that anyone can learn the power of listening yeah so the documentary is a great extreme example of what it can do.

Letzte Bearbeitung dieser Seite am 16. März 2022

Ähnliche Artikel

Tagged

Kommentar verfassen (ich freue mich auf Fragen und Feedback)