Unternehmensethik

Enzyklopädie

Oder: „Corporate Social Responsibility“ (CSR)

Wenn Unternehmenskultur einen sehr hohen Anspruch hat und dabei konkret auf gesellschaftliche Verantwortung überprüft werden soll, sprechen wir von Unternehmensethik. Der Begriff Kultur ist wie der Begriff Change (Wandel) eher oberflächlich und behandelt meist das Phänomen bzw. die Symptome. Beim Begriff Ethik wird es schon konkreter, wenn wir uns die Definition des Begriffs genauer anschauen, vor allem im Sinne von „tatsächlich und wirksam Verantwortung zu übernehmen“.

Definition

Der Begriff Unternehmensethik beschreibt ein soziales und verantwortungsbewusstes Verhalten von Unternehmen, wobei die ethischen Verhaltensweisen zumeist im Ziel, den Leitsätzen (Grundwerte) und Leitbildern festgeschrieben sind.
Globale Nachhaltigkeit ist Maßgabe und verpflichtet alle Mitarbeiter und Lieferanten sich bestmöglich darauf auszurichten.

Was ist Ethik?

Allgemeine Definition

Normen und Maximen der Lebensführung, die sich aus der Verantwortung gegenüber anderen herleiten.

Philosophie

Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln des Menschen in verschiedenen Lebenssituationen.

Der Zweck von Ethik

Bestmögliches Überleben für alle Individuen.

Wertesystemische Betrachtung

Im „EMR-Modell (Gegenüberstellung und Einordnung von Ethik, Moral und Recht)“ der Intuistik habe ich Ethik wie folgt definiert: Ethik ist, wenn die Gedanken, Handlungen und Taten einer Person oder (selten) Gruppe auf das größtmögliche Wohl möglichst aller global existierenden Individuen sowie deren Lebensräume ausgerichtet sind. Ethik ist die Lehre von Sittlichkeit und Vernunft in höchstem Sinne von optimaler Entfaltung aller kollektiven Einheiten.

Ist Unternehmensethik möglich?

Die grundlegende Herausforderung von Unternehmen besteht nun darin, dass sie sich meist nur moralisch verhalten können, weil sie im Wettbewerb stehen. Macht, Wachstum und Einfluss konzentrieren sich vornehmlich auf das eigene Unternehmen. Lediglich Monopolisten und Firmen, welche sich den Markt mit Wettbewerbern aufteilen, können ethisch agieren. Auf rechtlicher Ebene (Kartellrecht) sind Monopolstellungen und Absprachen unter Konkurrenten unzulässig. Dies ist ein Widerspruch, der beispielhaft aufzeigt, dass „Recht“ und „Ethik“ oft nicht vereinbar sind.

Somit ist es für kapitalistische bzw. marktwirtschaftliche Unternehmen fast unmöglich, gänzlich ethischen Grundsätzen zu folgen. Allerdings kann mit den Rechtsformen Genossenschaft, Verein oder dem Status der Gemeinnützigkeit (gGmbH, gUG) dieser Umstand beseitig werden.

Abgrenzung zu „Moral“

Wortherkunft Moral

Überleitung aus lateinisch „mōrālis“ = „die Sitten betreffend“, das abgeleitet ist aus lateinisch „mōs“ (Genitiv „mōris“) = „zur Regel gewordener Wille, auf innerer Gesinnung beruhende, gewohnheitsmäßige Tätigkeit, Sitte, Brauch“; etymologisch verwandt mit „Mut“.

Quelle: punktuell entnommen aus dwds.de (Etymologie) am 28.11.2018

Definition „Moral“ (aus der Intuistik)

Moral ist eine subkulturelle Ethik, die auf für diese Subkultur festgelegten Tugenden und Imperative basiert. Zum Schutz des eigenen Überlebens und der gewohnten Aspekte von Lebensqualität fordert sie dazu auf, diese mit allen Mitteln zu verteidigen, auch wenn die Verteidigungshandlungen nicht den interkulturellen (globalen) ethischen Ansprüchen genügen.

Der Zweck von Moral

Bestmögliches Überleben der eigenen Kultur (Gruppe, Organisation etc.).

Merkmale ethischer Unternehmen

Mit einer Checkliste kann man den Grad der Ethik in einer Organisation begutachten und systematisch messen.

Checkliste Unternehmensethik

Eine tatsächlich und vollständig gelebte Unternehmensethik ist an folgenden Merkmalen zu erkennen:

  1. interessierte Haltung gegenüber gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen
  2. In den Grundsätzen des Unternehmens ist differenzierend definiert, was „gut und böse“ ist und was dies für das eigene Entscheiden und Handeln bedeutet
  3. soziales Verhalten gegenüber Mitarbeiter und deren Familien, durch Förderung und optimale Positionierung
  4. faires Verhalten gegenüber Lieferanten, durch klare Briefings, angemessene und pünktliche Bezahlung sowie partnerschaftliche Kommunikation auf gleicher Augenhöhe
  5. alle Produkte und Dienstleistungen sind maximal unschädlich – bestenfalls zuträglich – für den Lebensraum aller Individuen
  6. die gesamte Wertschöpfungskette (auch bei Lieferanten und Wiederverkäufer) ist ökologisch nachhaltig
  7. alle Lieferanten und Sub-Dienstleister haben eine zuträgliche ethische und menschliche Gesinnung
  8. die Prinzipien aus der Wertethik finden konkrete Aufmerksamkeit und Anwendung die Gehälter und Tantiemen der oberen Hierarchie-Ebenen sind angemessen, transparent und allgemein akzeptiert
  9. die Gehälter bzw. Löhne der unteren Hierarchie-Ebenen sind ausreichend, um eine standesgemäße Lebensqualität zu gewährleisten
  10. der Profit steht nicht an erster Stelle, er ist zwar logischer Zweck, folgt aber stets den gesellschaftlich wertvollen Zielen des Unternehmens
  11. juristische Auseinandersetzungen werden in den meisten Fällen (über 80%) durch Mediationen gelöst
  12. das Risikomanagement beinhaltet das präventive Abwenden von Schäden für Menschen und Umwelt, welche aus dem eigenen Handeln resultieren könnten
  13. das Unternehmen ist moralisches Vorbild für andere und damit willentlicher Teil eines konstruktiven Wertewandels in der Gesellschaft

Messungen und Handhabungen

Alle Punkte sollten regelmäßig gemessen und benotet (gewertet) werden. Zum Beispiel mit Prozentpunkten (0 bis 100%) oder Skala 1 bis 10 oder pragmatisch mit Schulnoten.
Sodann kann das Wertemanagement an der Optimierung einzelner Punkte (Bereiche) arbeiten und dabei bestenfalls mit der Unternehmensführung, Human Resources und/oder dem Qualitätsmanagement bzw. Erwartungsmanagement interagieren.

Letzte Änderung dieser Seite am 1. Mai 2021

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