Gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland?!

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Mit diesem Titel ist kürzlich ein Buch erschienen, in dem ich als Co-Autor mitwirken durfte. Der vollständige Titel lautet: „Gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland!?: Erfolge, Defizite und Weichenstellungen für die Zukunft“ (Mai 2021).

Heute lagen zwei Exemplare in meinem Briefkasten – mit einem freundlichen Dankschreiben der Herausgeber.

Mein Beitrag (ab Seite 65) ist eine leicht redigierte Transkription des Vortrages, den ich am 5. November 2020 bei der „Deutsche Gesellschaft e. V.“ halten durfte.

Zum Buch

Der Klappentext

Gleichwertige Lebensverhältnisse oder regionale Ungleichheiten – in welchem Deutschland leben wir? Wie definiert man Ungleichheiten und wie schafft man sie ab? Das Konzept „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ beschreibt nicht nur einen politischen Idealzustand, sondern auch ein politisches, soziales, kulturelles und ökonomisches Großprojekt, das politisch Verantwortliche und alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik zur aktiven Mitgestaltung unseres Zusammenlebens aufruft.
Elf Autorinnen und Autoren mit ganz unterschiedlichen Hintergründen haben ihre Forschungsergebnisse und Thesen in prägnanten Beiträgen zusammengeführt: Von den Umbrüchen in den neuen Bundesländer über die Transformation des Ruhrgebiets hin zu Stadt-Land-Gefällen und politischen Idealen.
Die Artikel sind genauso vielseitig wie das Land, dem sie sich widmen – und sie laden zum Mit- und Weiterdenken sowie zur Diskussion ein.“

Herausgeber und Autoren

Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Gesellschaft e. V. von Dr. Andreas H. Apelt und Dr. Vincent Regente unter redaktioneller Mitarbeit von Anna Kavvadias im Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2021.

Gedruckt mit freundlicher Unterstützung durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Mit Beiträgen von
Dr. Uta Bretschneider, Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig,
Antje Hermenau, Politik- und Strategieberaterin,
Prof. Dr. Raj Kollmorgen, Professor an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Hochschule Zittau / Görlitz,
Prof. Dr. Rolf Kreibich, Wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Sekretariats für Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin,
Uwe Lübking, Beigeordneter für Recht, Soziales, Bildung und Sport beim Deutschen Städte- und Gemeindebund,
Prof. Dr. Dr. h. c. Karl-Heinz Paqué, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit,
Prof. Dr. Jens Südekum, Professor für International Economics am Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,
Frank H. Sauer, Coach, Mentor und Autor,
Prof. Dr. Matthias von Schwanenflügel, Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung „Demografischer Wandel, Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
Marco Wanderwitz, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie,
Dr. Kirsten Witte, Leiterin des Programms „LebensWerte Kommune“ der Bertelsmann Stiftung.

Einleitung des Herausgebers zu meinem Beitrag

Frank H. Sauer erweitert die Debatte, indem er die Frage der gesellschaftlichen Werte und deren Bedeutung für die Herstellung von Lebensverhältnissen, die von den meisten als positiv wahrgenommen werden, in den Mittelpinkt seines Beitrages stellt. Leidenschaftlich plädiert er für den Einsatz von „soft power“ und dafür, die Menschen bei allen sie betreffenden Prozessen einzubeziehen und mitentscheiden zu lassen. Nur auf dieser Grundlage ließen sich die Spaltungen in der Gesellschaft überwinden.“

Auszüge aus meinem Beitrag

[…] Menschen wollen und sollen in Würde leben. Die Würde selbst, ist die aufblühende Essenz von Frieden und Lebensqualität. Und zwar im Idealfall für alle. Demnach ist wichtig, das Thema Werte tiefgehender zu beleuchten – und zwar für alle. Erst dadurch wird Würde möglich. […] Meine Frage als politischer Zuschauer und leidenschaftlicher Beobachter lautet: Wenn die Weisheit und das Wissen der ganzen akademischen Welt größer sind als je zuvor – warum ist unsere Gesellschaft so gespalten? […] Wir brauchen einen Mentalitätswechsel. Einen radikalen Mentalitätswechsel. Einen „Change of mind“. Hier kommen Werte ins Spiel. Die Devise: Erst Werte klären, dann Ziele vereinbaren. […] Vor über 10 Jahren hatte ich die Ehre bei einem gemeinnützigen Projekt in einem Zeitraum von 2 Jahren einige hundert Schüler – jeweils in Schulklassen eingeteilt – ganztägig zu betreuen. […] Bei Amtsantritt war ich euphorisch und freute mich über diese schöne Abwechslung. Bisher hatte ich nur Erwachsene gecoacht und begleitet. Ich dachte: Wie cool, endlich kann ich mal mit Kids arbeiten, die offen sind, für das, was die Welt zu bieten hat. […] Bei späteren Klassen fügte ich hinzu: Ein sehr kluger Mensch, der eines meiner Vorbilder ist, hat einmal gesagt: „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“ […] Wir sollten Lehrer befähigen, gute Vorbilder zu sein. Wir sollten sie auch zu Empathie befähigen. Wie? Darüber können wir gerne an anderer Stelle diskutieren. […] Das Leitmotto für lebendige Soft Power ist: Prüfe Deine Haltung, bevor Du in eine Situation gehst! Und weiter: Parke Deine Vorurteile und öffne den Raum für Verständigung! […] Der Anfang allen Handelns ist beherzte Courage einer Führungspersönlichkeit, die erst dadurch das Engagement von vielen Menschen aktiviert. […] Zusammenfassend möchte ich kundtun, dass Optimismus gepaart mit Realismus ein gutes Rezept ist. […] Demokratieförderung ist beispielsweise – und jetzt übersetzen wir den Begriff ins verstehbare und handlungsorientierte Deutsch: Die Macht des gesamten Volkes ist Programm. Und wenn wir dabei einen Teil der Gesellschaft vergessen, macht dieser Teil sein eigenes Programm – und dieses Programm ist selten den etablierten „zugeneigt“. […] Alle Menschen haben verdichtet dieselben drei Grundwerte, die sie zeitlebens antreiben. Und es ist ihnen egal, wie sie diese Werte und Ziele erreichen. Sie werden Wege finden – wie der Fluss das Meer. Diese drei Werte sind: „Friede, Freude, Eierkuchen“. Ich weiß, dass das auf den ersten Blick unwissenschaftlich klingt. Aber bei näherer Betrachtung macht dies Sinn. […] Das ist mein Tagesgeschäft seit vielen Jahren. Es funktioniert dann, wenn alle Beteiligten die Muse haben, sich reflektierend mit Andersdenkenden – oder besser: Andersfühlenden – aufrichtig auszutauschen. […] Warum wollen wir diese Simplizität nicht praktizieren, anstatt nur akademisch interessante Dinge von uns zu geben … […].

Was nun?

Ja, es gibt viele solcher Debatten, Vorträge und noch mehr schlaue Bücher von klugen Menschen. Dennoch bleibt unsere Gesellschaft gespalten und vielfach orientierungslos. Woran liegt das?
Ich meine, weil wir keine wirkliche Ahnung davon haben, wie Werte uns beeinflussen – und das meist unbewusst und zeitweise manipulativ. Auch habe wir wenig Ahnung, was Verantwortung wirklich bedeutet – und über die unterschiedlichen Rollen, die wir im Leben verantwortlich spielen sollten.

Wie können wir Zusammenhalt fördern?

Ganz einfach, in dem wir zusammenhalten. Jeder einzelne sollte das in seinem Umfeld praktizieren. Nicht immer mit jedem, aber vor allem dann, wenn es um gleiche Ziele, Probleme, Herausforderungen und kulturelle Aspekte geht. Und auch dann, wenn man unbedingt zusammenleben muss, ist es ratsam, eine Form des Zusammenhaltes zu finden. Gemeinsam geht fast alles leichter. Für jeden einzelnen und für die ganze Gesellschaft.

Was bedeutet das für uns als „Wertearbeiter“?

Weitermachen und weiterstudieren. Es ist komplex, aber nicht kompliziert. An dieser Stelle ein Vorschlag für alle, die meine Literatur zum Thema kennen: Stellt doch mal die beiden Aspekte „Solidarität“ (ein Wert) und „Autonomie“ (eines der 7 Grundmotive) gegenüber und versucht mit Werteketten beides zu verbinden. Ja, es gibt verschiede Möglichkeiten und Varianten dies zu tun. Seid dabei wertesystemisch kreativ!

Gerne beantworte ich Frage hierzu im Kommentarfeld.

Herzliche Grüße, Frank

Letzte Änderung dieser Seite am 17. Juli 2021

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