Werte in der Politik

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Was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der politischen Parteien in Deutschland?

Die Deutschen haben am Sonntag die Wahl, wer sie zukünftig regiert. Neu ist, dass die langjährige Amtsinhaberin Angela Merkel nicht mehr zur Wahl steht.

Ausgelöst durch die Frage, ob Politik denn das behandelt, was Menschen wirklich bewegt, habe ich mich erneut mit den Parteiprogrammen der wichtigsten Parteien befasst. Im Unterschied zu den jeweils neu herausgegebenen Wahlprogrammen, sind in Parteiprogrammen (oder auch Grundsatzprogrammen) die Grundwerte der Parteien definiert, an die sie sich letztendlich halten werden.

Beobachtet man die aktuellen Diskussionen und im TV stattfindenden Schlagabtausche, kann man feststellen, dass es nur wenig Greifbares gibt. So ist ein Blick in alle Grundsatzprogramme sinnvoll, da diese bei den notwendigen Koalitionsverhandlungen Pate dafür stehen, wie sich Deutschland ab 2022 politisch aufstellt.

Wo sind die Unterschiede?

Die größeren Parteien unterscheiden sich nur in den ihnen selbst essenziellen Punkten. Nur bei den kleineren Parteien findet man einige „interessante“ und teils utopische Ideen für die Zukunft.

Die aktuellen Umfrageergebnisse* zeigen, dass die Hauptprotagonisten Baerbock, Laschet, Lindner und Scholz bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit, Sympathie, Reputation und Schlagfertigkeit bewertet werden. Daneben wäre es wichtiger, sich aus o. a. Gründen mit den bindenden Grundwerten der Parteiprogramme zu beschäftigen.

* Hinweis: Eine gute Zusammenfassung aller Umfragen findest Du hier: https://dawum.de/Bundestag/

Die Grundwerte der Parteien treten oft in den Hintergrund, wenn es um aktuelle Herausforderungen, wie Klimawandel, Zuwanderung, Zweiklassengesellschaft, geht. Die von den Medienvertretern gestellten Fragen führen uns oft in die Irre, denn diese zielen meist darauf ab, polarisierende Diskussionen anzuheizen, anstatt konsensbehaftete Lösungsvorschläge herauszukitzeln.

Nach ausgiebigem Studium aller Parteiprogramme der großen deutschen Parteien, konnte ich deren elementaren Werte herausarbeiten, welche dort explizit als Grundwerte benannt sind und in vielen Textstellen deutlich herausgestellt wurden.

Wenn man die präferierten Grundwerte der Parteien gegenüberstellt, kann man viele Ähnlichkeiten feststellen. Allein die Reihenfolge der genannten Begriffe könnte interessant sein, sofern sie vom Verfasser nicht alphabetisch sortiert wurden. Daneben kann man klare Unterschiede erkennen, welche die Identität der einzelnen Parteien kennzeichnet.

Zugeordnete Werte

Hier die Aufstellung der wichtigsten Grundwerte mit Voranstellung des offensichtlich wichtigsten Wertes:

ParteiPräferenzweitere Werte
SPDGERECHTIGKEITFreiheit, Solidarität, Nachhaltigkeit (letzteres wurde erst vor ein paar Jahren hinzugefügt)
CDUSICHERHEITFreiheit, Solidarität, Gerechtigkeit, Würde
GRÜNEÖKOLOGIESelbstbestimmung, Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechte, Aktivität
FDPFREIHEITSelbstbestimmung, Offenheit, Fairness
AFDTRADITIONDemokratie, Subsidiarität, Familie, Freiheit
LINKEGLEICHHEITDemokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Frieden

Grafik: Werte der 6 größten Parteien in Deutschland

Und hier das Ganze nochmal als grafische Übersicht:

Grafik: Die Grundwerte der großen Parteien in Deutschland

Natürlich kann man mit unterschiedlichen Brillen und Erwartungsmodellen auf das aktuelle politische Geschehen blicken. Dabei die Parteiprogramme außer Acht lassen, auf das schauen, was den Bürgern wichtig ist und mit den kommunizierten Inhalten führender Politiker abzugleichen.
So gibt es diesbezüglich eine interessante Auswertung von Wolfgang Plöger:
https://www.politik-kommunikation.de/ressorts/artikel/welche-werte-welchen-waehlern-wichtig-sind-2078885816

Anmerkung im Kontext von konstruktivistischen Wertvorstellungen

Alle hier genannten Parteien haben insbesondere den Wert Freiheit (bzw. Selbstbestimmung) als wesentliche Gemeinsamkeit. Darüber hinaus werden besonders in verbalen Auseinandersetzungen die Begriffe Gerechtigkeit, Solidarität und Fortschritt (gemeint ist hier wohl eher der konstruktivere Begriff Innovation) verwendet.

Während alle Parteien in ihren Programmen vorzugsweise den Begriff „Bürger“ verwenden, nutzt die AFD darüber hinaus sehr oft den Begriff „Volk„.
Im sprachwissenschaftlichen Sinne ist der Begriff Volk veraltet, da er ethnische Komponenten (Ethnie) aufweist und deswegen emotional aufgeladen ist. Etymologisch stammt er aus dem urgermanischen „fulka“ (8. Jh.), was „die Kriegsschar“ bedeutete.
Der Begriff Bürger stammt aus dem althochdeutschen „burga“ ab, was Schutz bedeutet (daher auch der Begriff „Burg“). Aus griechisch „polites“ = „Bürger“ (der zur Teilhabe am Richten und an der Herrschaft berechtigte) wurde der Begriff „politiká“ = „Politik“ (alles, was den Bürger und die Stadt – bzw. den Staat – betrifft).


Kurzer konsensorientierter Lösungsvorschlag

… mit Augenzwinkern 😉

Mit Sicherheit ist Freiheit die beste Option (Frank H. Sauer)
Postkarte: Mit Sicherheit ist Freiheit die beste Option (Frank H. Sauer, 2019)

Fazit

Lasst uns also die Partei wählen, die unsere eigenen Grundwerte am besten repräsentiert!
Damit bekommen wir dann hoffentlich eine vernunftbegabte Koalition, die alle diese Grundwerte als Wertesystem für die nächsten 4 Jahre aufstellt.


Weitere nützliche Infos über Werte-Arbeit und Werte-Coaching:


Letzte Änderung dieser Seite am 22. September 2021

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